Parteien

Wort zum Tage
Parteien
mit Kathrin Oxen
25.09.2021 - 06:20
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Morgen ist es so weit. Die Spannung wird ein Ende haben. Nach der ersten Prognose kommt die erste Hochrechnung und irgendwann das amtliche Endergebnis der Bundestagswahl. Was dann noch kommt, bis sich eine neue Regierung gebildet hat, ist heute noch offen. Aber in den nächsten Wochen werden auf jeden Fall die Wahlplakate nach und nach wieder abgenommen. Von all den Gesichtern, Slogans und Appellen und anderen Anrufungen der Wählerinnen und Wähler bleiben ein paar Kabelbinder an Laternenmasten. Hier und da noch ein Plakat - wie ein Blatt, das sich einfach nicht vom Baum lösen will. Und die Signalfarben der Parteien bleichen in den Herbst hinein.

Unterschiedliche Parteien stehen zur Wahl, aber zwischen den Wählerinnen und Wählern gibt es eine wesentliche Gemeinsamkeit. Alle wollen einen oder eine, der oder die sie wirklich anspricht, Probleme benennt und Lösungen anbietet. In einer Demokratie verteilen sich solche Erwartungen und entsprechende Enttäuschungen nach prozentual messbaren Anteilen. Es wäre ja auch zu viel verlangt, von einem oder einer alles zu erwarten.

Nur einen gibt es, bei dem ist es anders. Der Apostel Paulus glaubt, dass Jesus für alle Menschen in gleicher Weise ansprechbar ist. Deswegen kämpft Paulus in seinen Gemeinden auch so energisch dagegen an, dass sich unter den Glaubenden Parteien bilden. „Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen“ schreibt er an die Gemeinde in Rom. Alle haben ein und denselben Herrn, deswegen soll es in der christlichen Gemeinde keine Parteien geben. Dabei geht es nicht um eine religiöse Autokratie, sondern um Vertrauen. Reich für alle, die ihn anrufen, ist Jesus, nicht beschränkt in seinen Zuständigkeiten und Möglichkeiten, wie Menschen es zwangsläufig immer sind. Alle können sich an ihm orientieren, alle sich von ihm ansprechen lassen. Um Slogans und Appelle soll es nicht gehen, sondern um frohe Botschaften, um das Evangelium.

Was würde Jesus zu all den jetzt schon ausgebleichten Wahlplakaten sagen? Normalerweise frage ich nicht so plakativ. Aber hätte Jesus ein Wahlplakat, dann stünde darauf: Ich sehe dich, deine Erwartungen, deine Enttäuschungen. Ich sehe auch die Versuchung, dass immer die anderen schuld sein sollen an allem. Und ich habe nur eine Botschaft: Liebe deine Nächsten. Liebe deine Feinde. Und liebe dich selbst. Egal wie nahe oder wie feindlich du dir selbst gerade bist.

Es gilt das gesprochene Wort.